Der Gemischte Chor im Jahr 2015

Aus der Vereinschronik des:


Gemischten Kirchensingvereins
(erster Auftritt am 10. November 1883 unter Leitung des Gründers Herrn Pfarrer Frank)

Männer-Gesangverein Burkhards
(gesungen unter diesem Namen bis 1950)

Männer u. Gemischter Chor Burkhards
(gesungen unter diesem Namen 1951)

Gemischter Chor 1883 Burkhards
(der heutige Vereinsname, gewählt 1952)


Wir schreiben das Jahr 1883, Kaiser Wilhelm I, Deutscher Kaiser und König von Preußen regierte im Deutschen Reich. Otto von Bismarck (Gründer und erster Kanzler des Deutschen Reiches) war preußischer Ministerpräsident.
Am 11. November sollte die 400-Jahrfeier von Martin Luthers Geburtstag in der Kirche zu Burkhards begangen werden. Um diese Feier gesanglich zu verschönern, erließ Pfarrer Konrad Frank einen Aufruf von der Kanzel. Er bat die „Singlustigen“ der Gemeinde, sich an einem bestimmten Abend im Pfarrhaus einzufinden. Es kamen so viele, dass sich Pfarrer Frank an das Goethewort aus dem Zauberlehrling erinnert fühlte: „Die ich rief, die Geister, werd´ ich nun nicht los.“ Zwei Räume reichten nicht aus, um diesen großen Andrang zu fassen.


Bei der ersten Singprobe, die Herr Pfarrer Frank selbst leitete, wurde die Spreu vom Weizen geschieden. Gnade vor dem Herrn erhielten schließlich 30 Männer und 20 Frauen unterschiedlichen Alters, jedoch alle bereits konfirmiert, welche den Grundstock des nun gebildeten „Gemischten Kirchensingvereines“ bildeten, aus dem später der „Männer-Gesangverein Burkhards“ und dann der heutige „Gemischte Chor 1883 Burkhards“ entstand. Die Leitung übernahm der Gründer selbst. Gleichzeitig wurde ein Schülerchor dem Verein angeschlossen. Die Bewährungsprobe für den frisch gegründeten Kirchensingverein fand am 11. November 1883 statt, wobei nach Aussage des Pfarrers der Festgottesdienst durch die Mitwirkung des Chores erheblich verschönert wurde. Das also war der Anfang einer Tradition, die bis zum heutigen Tag in Burkhards lebendig geblieben ist. Natürlich muss man hinzufügen, dass es auch hier, wie überall, nur der Einsatzbereitschaft einiger begeisterter Sängerinnen und Sänger zu verdanken ist, dass das Chorsingen in der Gemeinde bis heute, unterbrochen nur durch die erzwungenen Pausen in den beiden Weltkriegen, praktiziert werden konnte.


Nachdem Pfarrer Frank den Dirigentenstab aus der Hand gelegt hatte, übernahmen jeweils die in Burkhards tätigen Lehrer die Chor- und vielfach auch die Vereinsleitung. So wirkten Herr Lehrer Mohr (unter dessen Leitung der Gem. Kirchensingverein sich in einen Männer-Gesangverein wandelte) Herr Lehrer Ludwig (der viele Jahre auch als Vorsitzender tätig war) der Chorleiter Herr Lehrer Loos, und danach die Herren Müller, Arch, Hoffmann, Schnittspan, Fries und Schäfer. Dessen Nachfolger, Herr Lehrer Blum, lehnte die ihm angetragene Leitung des Chores ab, da er kein Instrument beherrschte, dafür lieber selbst mitsang. Er schlug aber Herrn Wilhelm Karl vor, einen Landwirt aus dem Dorf, der in der damaligen Burkhardser Blasmusikkapelle spielte. In der Jahreshauptversammlung von 1934 wurde dieser Vorschlag einstimmig angenommen, und Herr Karl übernahm die Leitung des Chores, wahrlich nicht zum Schaden des Vereins.


1951 wurde der Männer-Gesangverein in einen „Männer- u. Gemischten Chor“ umgewandelt. Einige Männer wollten nicht mit den Frauen zusammen singen und blieben einfach weg oder traten aus dem Chor aus. Manche Männer wollten mit den Frauen zusammen singen, durften aber nicht und mussten vom Chor fernbleiben. Da sich aber das Fehlen junger Tenorstimmen immer deutlicher bemerkbar machte, siegte schließlich die Vernunft, und seit 1952 singen die Burkhardser Frauen und Männer zusammen.

Sängerfest 1953


In die Ära von Herrn Wilhelm Karl fallen viele gesanglichen Höhepunkte des Vereins. Der Chor hatte sich bereits als Männer-Gesangverein dem Hess. Sängerbund angeschlossen, welcher in den 50er Jahren alle 3 Jahre Wertungssingen durchführte, an denen sich der Burkhardser Chor beteiligte. Dabei ersang sich der Chor 1952, 1955 und 1958 bei den jeweiligen Wertungssingen die Note „sehr gut“, und damit die Teilnahme an dem darauffolgenden Bundesleistungssingen. 1959 wurde Burkhards als einziger Chor des Niddertal-Sängerbundes bei dem Bundesleistungssingen in Fulda für beide Lieder mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet und zum „Finale“, d. h. „Chorkonzert“ nach Essen im Jahre 1960 eingeladen. Diese Einladung konnte man aber leider nicht wahrnehmen, da sich der Verein dies finanziell nicht leisten konnte. Schade...


Diese Leistungssteigerung verdankte man der ausgezeichneten Arbeit des damaligen Dirigenten, Herrn Wilhelm Karl, der mit viel Idealismus, feinem Einfühlungsvermögen und dem ausgeprägtem Instinkt für gute, zeitgenössische Chorliteratur den Burkhardser Chor zu einem der angesehensten Chöre des Niddertal-Sängerbundes machte. Er konnte die Sängerinnen und Sänger mit gutem Gewissen seinem Nachfolger Herrn Herbert Vonhof nach 37 Jahren, am 3. September 1971, überlassen. Herr Vonhof setzte die erfolgreiche Tradition seiner Vorgänger fort und 1977 qualifizierte sich der Chor wieder zum Bundesleistungssingen, damals in Alsfeld.


Auf Anregung des damaligen Vorsitzenden Herrn Bernhard Walter, wurde am 7. April 1972 ein Kinderchor gegründet (am Ende des Jahres waren es 58 Jungen u. Mädchen), mit dem Ziel, diese Kinderstimmen eines Tages im Erwachsenenchor integrieren zu können. Es war der erste Kinderchor den es im Niddertal-Sängerbund gab. Herr Vonhof erklärte sich bereit den Jugendchor 1 Stunde vor der Chorprobe der Erwachsenen kostenlos zu leiten. An dieser Stelle muss man Herrn Bernhard Walter hervorheben, seinem vorausblickendes Denken ist es zu verdanken dass dieser Kinderchor gegründet wurde und auch noch bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung besteht.

Sängerfest 1973


1973 feierte der Gemischte Chor sein 90-jähriges Bestehen. Unter der Leitung des Vorsitzenden Herrn Walter und des Festpräsidenten Herrn Wilhelm Möller wurde das größte Fest in der Vereinsgeschichte gefeiert. 32 befreundete Vereine waren der Einladung des Gemischten Chores 1883 Burkhards gefolgt. Höhepunkt des Jubiläums war das Konzert am Samstag Abend. „Slavko Avsenik“ mit seinen Original Oberkrainer konnte man für diesen Abend gewinnen. Wie von einem Magneten angezogen kamen die Menschenmassen aus nah und fern, das 2500-Mann Zelt „platzte aus allen Nähten“. Dank der Einsatzbereitschaft vieler Helfer und den Vereinen aus Burkhards konnte dieser Ansturm an den vier Festtagen mit großem Festumzug reibungslos bewältigt werden. Noch lange nach diesem Fest erinnert man sich gerne an dieses große Ereignis zurück!


Nachdem Herr Vonhof die Leitung des Chores am 6. Januar 1980 niederlegte, übernahm Herr Karl Merz am 19. Januar das Ihm angetragene Amt als Dirigent des Gemischten- und des Kinderchores. Unter seiner musikalischen Leitung wurde 1983 die 100-Jahrfeier begangen. Der damalige Vorsitzende Herr Hermann Schildger und der Festpräsident Herr Bernhard Walter organisierten dieses Bestehen mit ihrem Festausschuß. Auch diesmal spielte am Samstag Abend, „Slavko Avsenik“ mit seinen Original Oberkrainer zum Konzert im Festzelt auf. Das Fest war, wie auch schon 1973 für den Verein ein großer Erfolg, jedoch merkte man, dass das Fernsehen im Gegensatz zu 1973 in den Wohnzimmern Einzug gehalten hatte.


Leider konnte der in Burkhards wohnende Herr Karl Merz, nach nur knapp 5 Jahren den Chor aus beruflichen Gründen nicht mehr weiterführen. Wieder sah man sich gezwungen einen neuen Dirigenten zu finden, was nicht leicht fiel, wollte man doch einen Chorleiter der auch die Betreuung des Kinderchores übernehmen sollte. Die Wahl traf dann auf Herrn Martin Winter aus Hoch-Weisel. Dieser wurde am 8. November 1984 unter Vertrag genommen.

Sängerfest 1983


Da sich in den folgenden drei Jahren im Kinderchor die Chorstärke von etwa 40 auf ca. 15 Kinder verringerte, mußte etwas geschehen um den Kinderchor zu erhalten. Die beiden Jugendleiterinnen Heike Strauch und Agnes Haas hatten einen Viezechorleiterlehrgang besucht. Im Sommer 1987 vertraute man ihnen auch die musikalische Leitung des Kinderchores Burkhards an, sie sollten Gelegenheit bekommen das Erlernte auch anzuwenden. Diese Entscheidung des Vorstandes wurde Richtungsweisend und geschah wahrlich nicht zum Nachteil des Vereins. Selbst in den Reihen des Kinderchores groß geworden und nie den Bezug zu den Kindern und Jugendlichen verloren, erlebte der Kinderchor Burkhards nun einen großen Aufschwung.


Der Gemischte Chor feierte 1993 das 110-jährige Bestehen unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Herrn Heinrich Rau. Das drei Tage dauernde Fest wurde aber nicht in einem so großen Rahmen begangen wie 1973 u. 1983 und anstatt eines Festumzuges wurde am Sonntagnachmittag ein großes Kinderchortreffen mit 7 Kinderchören aus der näheren Umgebung abgehalten.
Doch auch die musikalische Leitung durch Herrn Martin Winter ging, für alle etwas überraschend, nach 15 Jahren am 15. März 1999 zu Ende. Übergangsweise leitete Herr Adam Gensert aus Bellmuth für 5 Monate den Chor bis ein neuer Chorleiter gefunden wurde.
Am 19. August 1999 übernahm Herr Winfried Gerhard (Chorleiter und Lehrer) aus Schotten den Dirigentenstab des Gemischten Chor 1883 Burkhards um den Chorgesang zu erhalten und das deutsche Liedgut zu bewahren.

Sängerfest 1993


In den folgenden Jahren spürte man deutlich einen Wandel im Chorgesang. Viele Chöre waren überaltert, manche nicht mehr „singfähig“ und stellten den Chorgesang ein. Immer häufiger wurden „Projektchöre“ aus dem Boden gestampft. Nur mit dem reinen deutschen Liedgut war es schwer junge und neue Sängerinnen und Sänger für das Singen im Chor zu begeistern. Dies merkte man auch in unserem Verein. Der Kinder- und auch der Jugendchor war über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und mit einer Chorstärke von ca. 60 Kindern und Jugendlichen gab es auch personell keine Probleme. Jedoch der Übergang zum Singen in den Erwachsenenchor gestaltete sich schwierig. Altersbedingt fielen ältere Sängerinnen und Sänger weg, junge und neue Stimmen konnte man kaum gewinnen. Mit nur noch 17 Aktiven war der Gemischte Chor dünn besetzt, besonders in den Männerstimmen. Mehrmals musste, weil zu wenig Sänger da waren, ein Auftritt abgesagt werden oder der Jugendchor sprang für den Erwachsenenchor ein. Im gegenseitigem Einvernehmen trennte man sich im Dezember 2011 nach 12 Jahren von Herrn Gerhard. „Bis ein neuer Chorleiter gefunden ist“, so war sich der Vorstand einig, „soll die Viezechorleiterin Heike Strauch übergangsweise den Chor leiten“.

Sängerjahr 2008


Doch schon im Januar 2012 wurde man auf Herrn Philipp Langstroff aus Gießen aufmerksam. Herr Langstroff war 24 Jahre alt und studierte Musik-Pädagogik an der Universität in Gießen. „Vom Alter her optimal, damit die Brücke zwischen Jugendchor und Gemischten Chor hergestellt wird,“ so der Vorstand. Um den Chorgesang mit modernen und flotten Liedern zu gestalten (Gospel, Spiritual, Schlager u. Pop ...) aber auch nicht das deutsche Liedgut zu vernachlässigen, hoffte der Vorstand mit ihm weitere Sängerinnen und Sänger, die Spaß am Gesang haben, zum Mitsingen im Gemischten Chor animieren zu können. Nach einer Probe-Singstunde waren sich die Sängerinnen und Sänger des Chores schnell einig „Das könnte unser neuer Chorleiter werden“, so die Aussage nach der lockeren und kurzweiligen Gesangsstunde. Obwohl niemand den „Probe-Chorleiter“ vorher kannte, war irgendwie schon ein vertrautes Verhältnis spürbar.


Genau so geschah es dann auch. Nach dem man sich finanziell mit Herrn Langstroff geeinigt hatte wurde ihm ab 19. Januar 2012 die musikalische Leitung als Dirigent des Gemischten Chor 1883 Burkhards übertragen. Neue Sängerinnen und Sänger konnte man hinzugewinnen und auch der Übergang vom Jugendchor in den Erwachsenenchor funktionierte. In Herrn Langstroff hatte man einen Chorleiter gefunden, der es verstand alt und jung zusammen für den Chorgesang zu begeistern, mit modernen und flotten Liedern, aber auch nicht das alte deutsche Liedgut aus den Augen zu verlieren. Unser Gemischter Chor ist wieder auf eine Chorstärke von 34 aktive Sängerinnen und Sänger angewachsen und wir blicken gespannt aber auch zuversichtlich auf das, was die Zukunft für uns bereit hält.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es bislang Erschütterungen die von außen kamen, nicht gelungen ist, das Vereinsleben zu gefährden. Natürlich muss man hinzufügen, dass es auch hier, wie überall, nur der Einsatzbereitschaft einiger begeisterter Sängerinnen und Sänger zu verdanken ist, dass das Chorsingen in Burkhards bis heute praktiziert werden kann. Es gibt für den Verein anscheinend nur eine einzige Gefahr, die der inneren Zwietracht und der Uneinigkeit.

Nur wer mit dem Strom schwimmt, wird das Meer erreichen.

(erstellt von Arnold Haas)